Venezuela – reich und gleichzeitig arm



Die wirtschaftliche Lage von Venezuela ist von großen Widersprüchen geprägt, denn das Land kann gleichzeitig als arm und reich gelten. Auf der einen Seite profitiert Venezuela von großen Rohstoffvorkommen, die ein erhebliches Einkommen erzeugen und das Land wirtschaftlich am Leben erhalten. Andererseits ist die Industrie und das verarbeitende Gewerbe in Venezuela nur sehr schwach entwickelt und ein großer Teil der Bevölkerung lebt in äußerst einfachen Verhältnissen, ohne von dem Rohstoffreichtum des Landes langfristig profitieren zu können. Diese spannungsreiche Situation macht Venezuela einerseits zu einem interessanten Markt mit vielen Chancen für langfristig orientierte Spekulanten und Investoren, andererseits birgt sie aber auch ein erhebliches Konfliktpotenzial und damit Ablagerisiko. Dieses Risiko spiegelt sich unter anderem in dem sehr niedrigen Rating und den schwachen Kursen wieder, welche die Staatsanleihen des Landes trotz überdurchschnittlichen Zinsen aufweisen.

Was fehlt Venezuela für eine positive wirtschaftliche Entwicklung?

Derzeit leidet die wirtschaftliche Entwicklung Venezuelas vor allem an der fehlenden politischen Sicherheit. Lange war Präsident Chavez unumstritten und damit in gewisser Hinsicht ein Stabilitätsfaktor. Diese Stabilität wurde jedoch leider nicht zur Entwicklung eines funktionierenden Bildungssystems oder dem Aufbau leistungsfähiger Industrien genutzt. Nun, da Chavez wegen gesundheitlicher Probleme wankt und von dem Aufkommen möglicher Nachfolgern unter Druck gesetzt wird, rächt sich dieses Versäumnis. Diese spannungsreiche Situation mit ungewissem Ausgang lähmt die wirtschaftliche Aktivität des Landes und behindert die Entwicklung Venezuelas seit geraumer Zeit. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation in Venezuela hängt deswegen sehr stark davon ab, ob man von einem geordneten Übergang oder von der politischen Destabilisierung des Landes ausgeht.

Lohnende Investments in Venezuela?

Venezuela hat grundsätzlich alle Möglichkeiten, um aus eigener Kraft der wirtschaftlichen Misere zu entkommen. Entscheidend wird es jedoch sein, wie der Übergang von Chavez auf einen politischen Nachfolger gelingt. Wer auch immer nach dem charismatischen Präsidenten die Regierung übernimmt, tritt ein schwieriges Amt an und wird gleichzeitig an dem bei den Armen des Landes nach wie vor beliebten Chavez gemessen werden. Falls man an eine Stabilisierung des Landes nach diesem Wechsel glaubt, kann eigentlich fast jedes mögliche Investment wählen und mit einer überdurchschnittlichen Rendite rechnen, sogar Privatkredite können in Venezuela sich als Rentabel erweisen, sofern man die richtigen Leute fördert. Selbst die Staatsanleihen Venezuelas bieten derzeit zweistellige Renditen, da die Papiere weit unter dem Nennwert notieren. Konkurrenzfähige Wirtschaftsunternehmen sind wegen der zahlreichen Verstaatlichungen selten geworden, aber auch am Aktienmarkt finden sich Optionen für ein Investment in der bolivarischen Republik.

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