Venezuela und das Öl



Venezuela ist die Nummer Eins. Zumindest was die Ölreserven betrifft. Nach Angaben des eigenen Energie- und Ölministeriums belaufen sich die Reserven des lateinamerikanischen Landes nicht mehr auf die bisher offiziell gemeldeten 211 Milliarden Barrel (Stand 2009) sondern etwa 297 Milliarden Barrel Öl (Stand 2010). Mit dieser Steigerung um über 40 Prozent löst Venezuela Saudi-Arabien als das Land mit den weltweit größten Ölreserven ab. Unter anderem wurden Vorkommen unter dem Orinoco-Fluß zu der offiziellen Schätzung hinzugezählt. Trotz anfänglicher Skepsis einiger Experten hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die Schätzung Venezuelas inzwischen in ihre Statistik übernommen. Dadurch könnte sich die Stellung Venezuelas innerhalb der Opec deutlich verbessern, denn die jedem Land zugeteilte Förderquote ist von den jeweiligen Reserven abhängig und würde in diesem Fall also deutlich steigen.

Kaum Auswirkungen auf den Ölpreis

Hoffnungen auf bald sinkende Ölpreise werden aber wohl aller Wahrscheinlichkeit nach enttäuscht werden. Venezuela mag zwar die aktuell größten Ölreserven der Welt besitzen, doch aus verschiedenen Gründen wird sich das kaum auf den hohen Ölpreis auswirken. Denn dazu müssten die Reserven aus rasch förderbarem Rohöl bestehen, was aber bei einem großen Teil nicht der Fall ist. Die unter dem Orinoco-Gürtel liegenden Vorkommen bestehen größtenteils aus schwerem, teerähnlichem Öl. Daneben gibt es noch große Vorkommen an Ölschiefer, bei denen die Ölgewinnung jedoch kompliziert und kostspielig ist. Für eine Förderung der Reserven vor der Küste Venezuelas fehlt es dem Land schlicht an der nötigen modernen Technologie und dem nötigen Geld. Viele ausländische Ölkonzerne hat Venezuelas Präsident Hugo Chavez einst gegen sich aufgebracht, als er sie ohne Entschädigung enteignen ließ. Ein Großteil der Gewinne des staatlichen Ölkonzerns wird zudem für soziale Projekte abgezweigt. Bei dem derzeitig hohen Ölpreis ist es dennoch durchaus rentabel, den Ölschiefer abzubauen. Daraus gewonnenes Öl kann mit 15 bis 20 Dollar Gewinn verkauft werden.

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